Potentieller Hammer-Bedingungen war die Vorhersage von Burnair. Entsprechend sah es dann auch am Startplatz aus. Die Bude war voll! Bei unseren tschechischen Nachbarn gewinnt der Hausstein zunehmend an Beliebtheit. 24 Piloten allein aus CZ. Aber wir hatten auch Ukrainer, einen Amerikaner und unseren Quotenneuseeländer A.J. Selbst ein Österreicher findet seinen Weg zu uns, sollten die doch eigentlich die besseren Flugberge haben?! Und dann wurde auch noch der längste Flug des Wochenendes vom Hausstein aus geflogen. Georg Bube flog eine flaches Dreieck von 208,6 km in knapp 8 h. Das war der längste Flug überhaupt am Samstag im DHV-XC. Länger als der Flug vom DHV-XC Spitzenreiter D. Balabanov, der von der Grente "nur" 208,5km flog, dafür aber ein FAI.
Das ist Werbung für den Bayrischen Wald. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das will. Leute, wir sollten die Startgebühr erhöhen. Massiv 😉.
Zwei FAIs von - wie könnte es anders sein - von Moritz und Alex Fischer - über jeweils 132,3 und 130,8 km und einmal freie Strecke vom Hausstein bis kurz vor den Chiemsee vom Christoph Antwerpen über 141,9 km stehen auf der Bundesligaliste. Das brachte uns den 4. Platz und satte 15 Punkte. Damit rutschen wir wieder auf Platz 8 vor. Sauber gemacht!
Ein dickes Lob geht auch an unsere Gastpiloten. Das Bezahlen der Startgebühr funktioniert unaufgefordert. Das Verhalten am Startplatz und in der Luft ist anständig, respektvoll und fair. Dafür seid ihr herzlich willkommen bei uns!
Btw. was wäre der BL-Bereicht ohne eine Geschichte? Ok, ich hab schon einige erzählt und bin mir nicht mehr ganz sicher, ob ihr die überhaupt noch lesen wollt? Gebt mir bei Gelegenheit Feedback.
Eine Geschichte erzähl ich euch noch.
Die Gruppe "Projekt Regensburg", mittlerweile umbenannt in "100", war fast vollständig anwesend am Hausi, nur Seppi sitzt schon in Greifenburg. Erneut fragt mich jemand vorm Start, wo es hingehen soll. Ich sage: der Wind kommt aus SO, also fliege ich nach NW. Maxi ist schon ganz heiß und faselt irgendwas von "Regensburg". Boah ehrlich, ich bin a bisserl flugmüde. Die Hitze tut ihr übriges. Motivation schaut anders aus. Ich dachte für mich, ich flieg a bisserl dahin und dann a bisserl dorthin und dann wieder zurück.
Kurz danach bin ich in der Luft, Aufdrehen dauert etwas länger. Mir persönlich sind das zuviele Piloten. Jeder dreht wild in jede Richtung. Schnell mache ich mich auf Richtung Vogelsang mit dem Gedanken, hinter zum Sommerberg zu fliegen.
Ich hab keinen Stress, hatte prima Flüge in der vergangenen Woche und drehe gemütlich jeden Bart aus, bis ich in den kühleren Regionen angelangt bin. Gedanken schweifen ab, müde bin ich auch, das Vario piepst mich fast in den Dämmerschlaf.
Plötzlich, ich kann es kaum glauben, rückt eine gelber Schirm in meine Blickfeld. Das kann doch nicht.. doch tatsächlich, es ist der Maxi - welche eine Freude. Und er macht mir unmissverständlich klar, in welche Richtung es gehen soll.
Ok, gute Freunde lässt man nicht hängen, bringen wir Maxi auch endlich nach REGENSBURG. So fliegen wir eine ganze Weile zusammen. Bernhard gesellt sich zwischenzeitlich auch noch zu uns und übernimmt die Spitzenposition. Die Windräder sind erreicht, jetzt könnte es tatsächlich funktionieren! Ich halte mich leicht nördlich, immer mal wieder rausfliegend, um nicht in die Wolken "gesogen" zu werden. Maxi ist eher südlich unterwegs. Bis er plötzlich verschwunden ist. Ich kann ihn nicht mehr sehen, nur Bernhard ist sichtbar im FANET. Er liegt mittlerweile deutlich vor mir. Der Camino geht a bisserl besser als mein Iota. Aber ich bin etwas in Habacht-Stellung und überstrapaziere den Beschleuniger nicht. Das letzte Mal kurz vor Regensburg flog ich in einen Bart, von dem ich eigentlich nicht glaubte, das es sowas gibt. Vario Anschlag 10m/s hob es mich halb aus meinen Sitzgurt und rein in den Luftraum über REG. Der ging zum damaligen Zeitpunkt bis 14h. 14:21 o.s. bin ich reingeflogen...Glück gehabt. Für alle Unwissenden: über REG erstreckt sich die EDR 144 Franken. Der Luftraum ist Montag bis Donnertag von 9.00 bis 17.00 h aktiv, freitags nur bis 14.00 und geht von 2280m bis 3050m.
Seit diesem Vorfall hab ich jetzt immer Ersatzunterhosen dabei. Btw. Männer, frische Unterhosen sind nie verkehrt!
Und tatsächlich, der Waldrücken ist biestig. Diesmal nicht ganz so schlimm, nach vorne, nach hinten, nach links, nach rechts. Dann hatte ich die Wildsau wieder eingefangen.
Maxi kommt wieder in mein Blickfeld, doch deutlich tiefer als gewünscht. Nicht gut. Der Blick voraus zeigte noch eine Wolke über oder knapp vor Regensburg. Sonst alles blau. Das ist auch nicht gut. Bernhard ist noch deutlich vor mir, aber ich beschließe, umzukehren. Maxi ist knapp vor REG. Ich finde, das kann man gelten lassen.
Irgendwann klingelt dass Telefon. Headset geht nicht, in Nullkommanix bin ich auf 180. Dieses scheiss Telefon bringt mich noch zur Weißglut. Man ist so schön im Flow, bis es klingelt. Im nachhinein stellte sich heraus, es war der Robert. Dieser Teufelskerl ist mit seinen Buben, dem Robin, mit dem Tandem auch bis Reg geflogen und dort gelandet. In kurzen Hosen ohne Handschuhe. Robert schrieb mir, Robin wollte auch mal steuern, spürte seine Hände aber nicht mehr... ja, so lernt man am schnellsten...
Vor mir lag jetzt der Rückweg, mittlerweile deutlich wolkenärmer. Naja, die fu.. B20 kenn ich ja gut, zurück komme ich eh nicht. Also, was solls.. schön jeden Bart ausdrehen. Es geht, es geht sogar gut, auch im blauen. Die B20 quere ich mit komfortablen 2000 m, kurz vor Hunderdorf stehen 2560 m auf dem Tacho. Das war 16:30 ca. Geiler Scheiss! Über der - ich nenn sie mal Bayerwaldridge - stehen die letzten Wolken. Ich komme an mit knapp 1300 und kann wieder an die Basis aufdrehen. 2100 m. Das gibts doch garnicht! Weiter Richtung Vogelsang. Am Butzen erneut hoch auf 1800. Ich glaub's nicht, der Landeplatz liegt in greifbarer Nähe. Und tatsächlich, nach fast 6h stehe ich wieder am Hausstein.
Hab eigentlich damit gerechnet, das gar keiner mehr da ist. Aber mitnichten. Viele konnten am Samstag weit und lange fliegen. Alleine 2x 200 km + und 19 x über mehr als 100 km, geflogen überwiegend von tschechischen Piloten. Respekt!
Kaum gelandet und in Sichtweite der anderen Piloten, da kommt es wieder, dieses spezielle Bayerwaldfeeling, welches es nur bei uns gibt. Jeder Flieger wird empfangen wie ein Sieger, egal wie weit er geflogen ist. Ob blutiger Anfänger, der seine ersten 20 km geflogen ist oder der alte Hase, der wieder knapp an den 300 vorbeigeschramt ist. Alle freuen sich mit einem und finden lobende Worte. Das geht runter wie Öl und motiviert ungemeint. Ich bin happy, bei euch dabei zu sein!
Nachtrag: Maxi hatte Probleme mit seinem Vario. Aber er hat es wohl noch zusammen mit Bernhard, der dann auch umgekehrt ist, zurück bis Hunderdorf geschafft. Damit gibt es hier auch einen PB. Maxi, das freut mich sehr für dich, Gratulation! Wird auch Zeit nach 20 Jahren ☺️.