Zumindest war das der Plan unserer kleinen Gruppe, die ursprünglich aus Detlef, Tom R., Robert und mir bestand. Tom hatte sich schon im Vorfeld ausgeklinkt. Er hat wohl einen Sack voll Arbeit mit den anstehenden Kriegsvorbereitungen 😜. Da waren es nur noch 3.
Irgendwo in der Schweiz wollten wir starten, Fiesch kristallisierte sich als Ziel der Wahl aus. Hin mit der Bahn und dann zurück. Ok, ganz schön ambitioniert, dachte ich mir heimlich. Mit dem ganzen Geraffel in Fiesch starten, nach einer Nacht in der Bahn, also vermutlich unausgeschlafen, gleich richtig rein in den Schlamassel machte mir schon etwas Magengrummeln. Letztendlich entschied der Wettergott über unser Tun: die Prognose für die Westalpen war eher durchwachsen. Für zwei fliegbare Tage wäre der Aufwand doch etwas groß gewesen. Um die frei geschaufelte Zeit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, wurde Bassano als Alternativprogramm gewählt. Detlev sprang in letzter Minute auch noch ab, da waren es nur noch 2. Robert und ich machten uns am Donnerstag auf den Weg und erreichten die Abbazia 2h nachts. Plane ausgelegt, Matratzen aufgeblasen und rein in den Schlafsack. Boah, eine Affenhitze war das hier. Das Zelt nicht aufzubauen entpuppte sich als ein großer Fehler. Sämtliche Krabbelviecher, Mücken und sonstiges Geschwirrl hatte offenbar schon auf unserere Ankunft gewartet und ging gleich zum Vollangriff über. An Schlafen war nicht zu denken, zumindest nicht für mich. Blutig gekratzt und ziemlich weit neben mir stehend bin ich dann doch irgendwann aus dem Dämmerschlaf aufgewacht und freute mich auf das, was da kommen sollte.
Der Plan für heute stand fest. Uns erwartete eine hohe Basis von 2000 m, somit sollte die Querung der Piave nicht das große Problem sein und der Weg nach Osten Richtung Meduno stand offen. Das Thema mit dem Luftraum bei Aviano werden wir lösen, wenn wir tatsächlich das hinten ankommen. Da gibt es wohl eine Absprache des örtlichen Fliegerclubs in Revine mit der Luftraumaufsicht, das man zumindest am Wochenende dort durchfliegen könnte.
Schnell noch was gefrühstückt, rüber zum Garden Relais und rein in den Bus von Enrico. 11:30 gings los Richtung Monte Cesen, vollgepackt bis unters Dach, sodaß mir schon leichte Zweifel kammen, ob mein Bogdanfly mit seinen dünnen Leinchen diese Masse überhaupt tragen kann.
Für die Kommunikation setzen wir auf Zello, Whatsup, Funk und Telefon. Alles ziemlicher Mist, wie sich recht schnell rausstellen sollte. Aber der Reihe nach.
Recht zügig gings aufwärts, Robert war gleich auf 2100 m. Vorbei am Monte Grappa waren wir schnell am üblichen östlichen WP. Jetzt gilt es, Höhe zu machen. Ein paar Anläufe waren nötig, bis ich die Querung in Angriff nehme. Geil, ab da ist das für mich auch Neuland. Noch nie war ich hier so hoch. Ein paar Minuten später beschleicht mich ein komisches Gefühl. Ist Robert noch hinter mir? Ich drehe und... verdammter Mist, Robert ist weg. Wir waren doch nahe beinander, er muss mich doch gesehen haben. Die Absprache war auch klar: 2000m und los. Aber Robert hatte die Höhe noch nicht ganz, drehte weiter auf, und hat mich auch aus den Augen verloren. Was soll ich jetzt machen? Man könnte am Monument einladen und warten. Oder ich fliege einfach zurück, irgendwo muss er ja sein. Funken geht gar nicht, nur Rauschen. Mit meinen leichten Kack-Helm hab ich so laute Windgeräusche, dass ich auch garnix verstehe. Telefonieren? Fehlanzeige. Mein Headset hab ich um den Hals anstatt am Ohr. Das Telefon klingelt, ich kann aber das Telefon nicht entsperren mit den Handschuhen und der Eingabestift funktioniert am Iphone nicht. Außerdem ist es ziemlich ruppig, meine Handschuhe mag ich nicht verlieren beim Ausziehen. Und so geht das Drama den ganzen Rückweg bis kurz vor dem Startplatz. Ich fliege raus, ziehe die Handschuh aus (sind andere Handschuhe ohne Sicherungsbändel), schiebe mir das Headset unter Halstuch und Sturmhaube wieder übers Ohr und schreie: Siri, du blöde S.., rufe Robert an!!! Und siehe da, meine bestimmte Wortwahl hat geholfen: "Ich rufe Robert Knödlseder an" sagt diese arrogante Bitch als wäre nichts gewesen! Der werd ich kündigen, die schmeiß ich raus im hohen Bogen!
Robert meldet sich. Ich kann ihn sogar verstehen. Er sitzt am Monte Cesen und trink grad ein Radler. Na prima, er hats geschafft und ich nicht. Loser 😢. Ok, ich flieg wieder hinter und versuche das ganze nochmal. Hilft ja nix. Hinten angekommen, kämpfe ich um jeden Meter, komme aber nicht höher als 1800. Einem mutigen Flieger hätte das wahrscheinlich locker gereicht, aber das Bild in meinem Kopf, auf dem ich blutüberströmt und von einer eisernen Rebstange (heißt das so?) durchbohrt mit gebrochenen Beinen und halb erschlagen von meinem Gaskocher am Boden liege, lässt mich kneifen.
Ich fliege zurück, etwas geknickt. Der starke Westwind verhindert eine Landung am GR. Ein paar hundert Meter fehlten.
Ein Gefühl von Einsamkeit überkommt mich bei 40 Grad. Komme mir vor wie in Kolumbien - allein in der Wüste. Claudia spendet mir tröstende Worte. Ich laufe rüber zum GR, trinke nen leckeren Cappucino. Schon schaut die welt freundlicher aus. Es gibt auch keinen Grund, Trübsal zu blasen. Robert ist gut gelandet, ich hab mir mit meinem Schwerlastflugzeug auch nicht weh getan und das Wetter ist prima. Also beschließe ich, mit dem letzten Shuttle hoch zum Weststart zu fahren, um dort zu übernachten. Kurz nochmal telefoniert mit Robert, der schon wieder in der Luft ist, um den Weiterweg zu erkunden. Passt, soll er machen.
Am Weststart sind 10 Grad weniger. Ich baue mein Zelt auf, mach mir einen leckeren Milchreis, nen Kaffee und ein paar Fotos und geniese die Ruhe, bis mich das Klingeln meines Telefons aus dem sehr angenehmen Halbschlaf weckt. Robert hat versucht, zurückzufliegen, aber auch ihn hat der Westwind erwischt. Irgendwo weit hinten. Er kommt zurück und fährt mit dem Auto hoch zu mir. Ja, alleine is einfach auch Scheisse.
Ich schlaf wieder ein bis zum nächsten Klingeln. Robert wutentbrannt am Telefon: Wo bist du? Er kann mich nicht finden und ist schon halb am Monte Grappa :-).
Ich weise ihn ein, alles wieder ok. Aber Telefonieren ist echt eine Herausforderung am Berg.
Die folgende Nacht schlafe ich prima, Robert beklagt sich zwar am nächsten Morgen, er habe ständig abnormale Grunzgeräusche gehört. Muss ne Wildsau oder ein Bär gewesen sein, oder ein Esel ;-).
Samstag sind die Prognosen nicht mehr ganz so gut, Basis ist niedriger, Wind zunehmend aus West. Gut dann, erst nach Osten und dann nach Westen. Einfach a bisserl zusammen fliegen.
Richtung Ost nimmt die Bewölkung zu und ich fliege raus nach Süden, um nicht eingesaugt zu werden. Robert ist da schmerzbefreiter und schon wieder haben wir uns aus den Augen veloren. Diesmal sitzt das Headset richtig, aber die Verbindung ist miserabel bis nicht vorhanden. Ich fliege den Plan ab, hinter zum WP und wieder zurück. Heilandsack, bläst mir da ein Wind entgegen. Vor jeder Kante ein massives Lee und ich verliere Meter um Meter. Ums nächste Eck rum, sehe ich schon die einzelnen Grashalme auf der Wiese, ich gebe auf, fliege raus und.... piep ...piep...piep. Ganz langsam, ganz behutsam... Telefon klingelt. Ich krieg die Krätze. Das Scheissding klingelt immer dann, wenn man es übergaupt nicht brauchen kann: entweder schläft man gerade oder ist grad richtig beschäftigt. Ich kann nicht rangehen.. Der Bart bringt mich wieder hoch. Zeit, Robert zurückzurufen. Er ist beim Sender, sagt er mir. Antenna oder Rubbio. Er hat natürlich keine Ahnung, er war ja noch nie hier ( kann man sich garnicht vorstellen, er fliegt seit 11 Jahren und war noch nie in Bassano..).
Ich fliege ihm entgegen. Irgendwann sehe ich ihn tatsächlich, er fliegt auf mich zu und ich mache unmissverständliche Zeichen, dass ich weiter nach Westen will. Gut, er macht was anderes. Wieder ist er weg. An der Antenne angekommen, bläst mir ein Wind entgegen, der meine Hoffnung auf Rubbio schnell zu Nichte macht. Da hab ich keinen Bock drauf. Flieg wieder zurück und gehen landen. Robert kommt auch. Wir wollen abends noch ne kleine Runden fliegen. Gesagt getan, halb 5 sind wir wieder in der Luft. Und das war der Flug des Wochenendes, zumindest für mich. Es geht gut, wesentlich angenehmer als am Nachmittag, sanfte Thermiken und der Westwind lassen uns soaren wie die Weltmeister. So geil hatte ich das noch nie hier.
Und zur Krönung des Tages landen wir nach 2 Stunden wieder am Weststart ein. Ich etwas weniger elegant auf dem Arsch, aber ohne Blessuren. Das Bogdanfly ist stabiler als es aussieht.
Was für ein geiler Tag! Abendessen mit Geburtstagspanacotta gibts im Al Puppolo. Und nach einem Absacker im Malga Col Serai (direkt am Toplandeplatz) gehts ins Bett.
Bedingungen am Sonntag nochmals verschärft. Die schönsten Lentis über der Poebene. 15 min in der Luft und 10 Klapper kassiert. Der Iota geht jedesmal zuverlässig wieder. Mit dem Rush hätte ich mir wahrscheinlich jedes Mal in die Hose geschissen, mit dem Iota macht mir das garnix. Aber schön ist anders. Eine halbe Stunde reicht mir. Robert gibt nochmal Gas. Ja, sein Mindset ist etwas anders. 3 Stunden nimmt er sich Zeit.
Nach einem Radler am Landeplatz beschließen wir, es gut sein zu lassen und machen uns auf dem Heimweg. Kurz noch erfrischt in der Brenta bei Valbrenta und gestärkt mit einer Pizza am Lago Caldonanzzo sind wir kurz vor Mitternacht bei mir daheim.
Für mich war das ein grandioses Wochenende, endlich mal wieder draussen schlafen, geile Flüge, gutes Essen, viel gelernt und einen guten Freund gewonnen.
Was kann schöner sein?
Achso, Bundesliga: Wir zwei haben gepunktet. Keine Kunst, wenn sonst niemand fliegen konnte. Leider nur 4 Punkte in dieser Runde. Wir sacken ab auf den 8. Platz in der Gesamtwertung.